
Kulturinsel 2029 - Vom Güterbahnhof zur Kulturinsel
- 6. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Juni
Vom Güterbahnhof zur Kulturinsel Stuttgart
Wie aus einer mutigen Idee ein Dritter Ort für die nächsten Generationen wurde
Bad Cannstatt, 06. Juni 2029
An einem sonnigen Nachmittag sitzen Familien im nachhaltigen Biergarten der Kulturinsel Stuttgart.
Kinder spielen zwischen Hochbeeten.
Eine Schulklasse besucht die Saatgutbank und die erste essbare Straße in Stuttgart.
Im Willkommensraum findet ein Permakultur-Workshop statt.
Im Freiraum diskutieren Wissenschaftlerinnen, Unternehmer, Verwaltungsmitarbeitende und Stiftungen über klimaangepasste Städte und die Zukunft urbaner Quartiere.
Im ehemaligen Lager, dem neuen Veranstaltungsraum und im ehemaligen Mainfloor des Club Zollamts wird getanzt.
Im Bürgercafe und auf dem Marga von Etzdorf Platz sitzen Menschen aller Gesellschaftsschichten und genießen den Tag bei leckeren Gerichten aus geretteten Lebrnsmitteln.
In einer Ecke des nachhaltigen Biergartens bereiten Ehrenamtliche die nächste Nachbarschaftsveranstaltung vor.
Es wirkt selbstverständlich.
Fast so, als wäre dieser Ort schon immer da gewesen, war er ja auch seit 2012.
Dabei hätte es auch ganz anders kommen können.
Denn die Geschichte der Kulturinsel Stuttgart ist keine Geschichte geradlinigen Erfolgs. Sie ist die Geschichte eines Ortes, der über viele Jahre immer wieder vor neuen Herausforderungen stand – und trotzdem nie aufgehört hat, an seine Zukunft zu glauben.
Ein Ort mit über 110 Jahren Geschichte
Bereits 1911 entstand hier die Güterabfertigung des Cannstatter Güterbahnhofs. Über Jahrzehnte wurden Waren kontrolliert, gelagert und weiterverteilt. Später kamen Leerstand, Subkultur, Clubleben und schließlich die Kulturinsel Stuttgart.
Heute stehen die Gebäude mitten im NeckarPark – einem der innovativsten Stadtentwicklungsgebiete Stuttgarts. Schwammstadt-Prinzip, klimaangepasste Stadtplanung, Fassadenbegrünung, nachhaltige Mobilität und neue Wohnformen prägen das Quartier.
Geboren aus dem Club Zollamt
Die Geschichte der Kulturinsel Stuttgart beginnt nicht mit einem Förderprogramm und nicht mit einem Masterplan, sie beginnt mit privatem Engagement und viel Eigenkapital.
Sie wurde aus dem Club Zollamt heraus geboren.
2012 wurde der Club übernommen.
Die Wurzeln lagen in Musik, Begegnung, Subkultur und dem Wunsch, freiRäume zu schaffen, die anders funktionieren als viele bestehende Institutionen, nicht besser, anders.
Die Kulturinsel entstand nicht aus Gewissheit. Sie entstand aus dem Vertrauen, dass eine Idee auch dann verfolgt werden sollte, wenn ihr Erfolg noch nicht sichtbar ist.
Inselgrün: Eine Idee verändert einen Ort
Bereits im Gründungsjahr 2012 kam Birgit Haas mit einer Idee auf die Kulturinsel zu. Joachim Petzold sagte sofort Ja. Aus dieser Begegnung entstand Inselgrün – nicht als späteres Zusatzprojekt, sondern von Beginn an als Teil der Kulturinsel und grüner Faden durch das gesamte Projekt.
Aus Infrastruktur wurde urbane Natur. Aus Beton wurde Leben und die erste essbare Straße entstand in einem Projekt mit dem Stuttgarter Klima-Innovationsfond 🌱.
Mehr als (Sozio) Kultur
Kultur traf auf Bildung und soziales.
Urban Gardening traf auf Wissenschaft.
Nachbarschaft traf auf Stadtentwicklung.
Soziales traf auf Wirtschaft.
Subkultur traf auf Industrie.
Und vor allem, oft trafen auch alle aufeinander.
Menschen trafen auf Menschen.
Was zunächst chaotisch wirkte, erwies sich später als die eigentliche Stärke des Ortes: die intersektorale Zusammenarbeit.
Klimawandel. Kultur. Integration. Bildung. Sozial. Gesundheit. Demokratie. Wirtschaftliche Transformation.
Keine dieser Herausforderungen lässt sich dauerhaft von einem einzelnen Sektor lösen.
Die Kulturinsel wurde zu einem Reallabor für die Frage, wie Zusammenarbeit über Sektorengrenzen hinweg gelingen kann.
Die Intersectoral School of Governance Baden-Württemberg (ISoG) bringt seit 2020 bis heute Menschen aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen und prägt diesen Ort nachhaltig.
Die Jahre der Unsicherheit
Erst 2019 wurde klar, dass das Areal überhaupt erhalten bleibt. Erst 2020 begann die befristete institutionelle Förderung. (seit Dez. 2025 unbefristet)
Dazwischen und danach lagen Jahre voller Unsicherheit, Interimslösungen, verschobener Sanierungsplänen und permanenter Übergangssituationen.
Die spannende Frage lautet deshalb nicht:
Funktioniert die Kulturinsel?
Denn darauf hätte es längst eine Antwort gegeben.
Die spannendere Frage lautet:
Was wäre aus der Kulturinsel geworden, wenn seit 2019, oder sogar 2012 Planungssicherheit bestanden hätte?
Sicher ist nur:
Die Kulturinsel ist trotz dieser Unsicherheit noch da und sogar gewachsen.
Die eigentliche Transformation
Nach über anderthalb Jahrzehnten ist aus einer Gründeridee eine gemeinschaftlich getragene Institution geworden.
Genau das war von Anfang an das Ziel.
Nicht einen Ort zu schaffen, der dauerhaft von seinen Gründern abhängig bleibt.
Sondern einen Ort, der lange nach ihnen weiterleben kann.
Bei der Neueröffnung übergab der Gründer Joachim Petzold symbolisch den „grünen Schlüssel“ der Kulturinsel an die neue Gesellschafterstruktur.
Nicht als Abschied.
Sondern als Erfüllung einer Aufgabe.
Ein Dritter Ort für die nächsten Generationen
Die eigentliche Transformation war damit nicht die Sanierung eines Gebäudes.
Die eigentliche Transformation war der Übergang von einer mutigen Idee, privater Investition von Geld und Zeit, zu einem dauerhaft getragenen Gemeingut.
Ein Ort für die nächsten Generationen.
Ein Dritter Ort.
Nicht Zuhause.
Nicht Arbeit.
Nicht Schule.
Nicht Verwaltung.
Nicht Unternehmen.
Sondern ein Ort dazwischen.
Geboren aus dem Club Zollamt.
Gewachsen durch Inselgrün.
Getragen von einer ganzen Gesellschaft.
Ein Ort für Begegnung.
Ein Ort für Ideen.
Ein Ort für Experimente.
Ein Ort für die nächsten Generationen.
Und ein Ort, der nie vergessen hat, wo er herkommt.
Denn am Ende tanzen alle mal gern.
Mitten im NeckarPark.
Mitten in Stuttgart.
Mitten im Leben.
🏝️🌱❤️




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